Naturheilkundliche Hilfe in den Wechseljahren – der Frauenwandel-Ansatz

Von Mourad Bihman

Die Suche nach Hilfe bei Wechseljahren führt meist in eines von zwei Lagern. Auf der einen Seite steht die rein medizinische Lesart: ein Hormonmangel, der ausgeglichen gehört. Auf der anderen ein Markt voller Versprechen – Kapseln, Tropfen, Ranglisten, Testsieger. So unterschiedlich beide klingen, sie teilen eine Grundannahme: Die Wechseljahre seien eine Störung, die möglichst schnell wieder verschwinden soll.

Wir sehen das anders. Die Wechseljahre sind kein Fehler im System. Sie sind ein Übergang – einer, der Jahre dauert, der in Wellen verläuft und der bei jeder Frau anders aussieht. Begleitung heißt für uns deshalb nicht, ein Symptom nach dem anderen abzuschalten. Sie heißt, den Körper in dieser Zeit so zu unterstützen, dass er sein neues Gleichgewicht selbst finden kann.

Dieser Artikel erklärt, worauf der Frauenwandel-Ansatz beruht – und ist zugleich der Einstieg in alle weiteren Themen dieses Blogs.

Was Frauenwandel ist

Frauenwandel ist Rasas Arbeit. Im Mittelpunkt steht die persönliche Begleitung – im Gespräch, durch begleitete Übungen, durch Raum für Dich. 1:1 über mehrere Wochen hinweg. Sowie die Kraftwanderungen: Naturgänge im Raum Ratzeburg, einen halben oder einen ganzen Tag lang, mit einem Thema, das Du vorher für Dich wählst, und einem Ritual am Ende, das markiert, was sich verschoben hat.

Der Gedanke dahinter ist einfach. Die Natur zeigt Dir, wo Du gerade stehst – was gehen darf und was in Dir bereit ist zu wachsen. Das lässt sich in einem Sprechzimmer schlecht herstellen und draußen gut, wenn man lange genug geht. Natürliche Unterstützung für natürliche Prozesse.

Was Frauenwandel nicht ist: ein Behandlungsprogramm. Es gibt hier keinen Therapieplan und keine Praxis. Es gibt eine Frau, die diesen Übergang selbst geht und andere Frauen dabei begleitet.

Und wo kommt die Naturheilkunde ins Spiel?

Ein Naturgang macht keine Hitzewallung weg. Eine durchwachte Nacht wird nicht dadurch kürzer, dass man sie gut deutet. Beschwerden gehören zu den Wechseljahren dazu, und sie ernst zu nehmen ist kein Rückfall in die Krankheitsperspektive – es wäre umgekehrt eine Zumutung, sie wegzureden.

Deshalb gibt es innerhalb von Frauenwandel einen zweiten, kleineren Strang: den naturheilkundlichen. Das ist mein Teil. Ich bin Heilpraktiker, habe Chinesische Medizin studiert und die Mondkräuter entwickelt – und dieser Blog ist der Ort, an dem ich einordne, was auf dem Markt für pflanzliche Mittel behauptet wird und was davon trägt.

Dieser Strang ist ein Teil des Ganzen und bleibt der kleinere. Er liefert Wissen und Einordnung zu Pflanzen, über die viel Halbrichtiges im Umlauf ist. Alles andere – die Begleitung, das Gehen, das Sortieren – ist Rasas Feld und der größere Teil der Arbeit.

Die Sicht der TCM: ein langer, fließender Wandel

Die westliche Medizin beschreibt die Wechseljahre über Hormonwerte: Östrogen sinkt, FSH steigt, irgendwann bleibt die Blutung aus. Das ist richtig, aber es ist eine Momentaufnahme in Zahlen.

Die chinesische Medizin denkt in Zeiträumen. Im ältesten überlieferten Text der TCM, dem Huangdi Neijing, wird das Leben der Frau in Sieben-Jahres-Rhythmen beschrieben: Mit zweimal sieben Jahren beginnt die Fruchtbarkeit, mit siebenmal sieben – also um das neunundvierzigste Lebensjahr – erschöpft sich das sogenannte Tian Gui, und die Blutung endet. Bemerkenswert daran ist weniger die Zahl als die Perspektive: Der Übergang wird als vorgesehener Teil des Lebensbogens beschrieben, nicht als Abweichung davon.

Im Zentrum steht dort das Nieren-Jing – jene Substanz, aus der sich Wachstum, Fortpflanzung und Alterung speisen. Sie gilt als endlich und nimmt über das Leben hinweg ab, langsam, kontinuierlich und oft schon deutlich vor dem vierzigsten Lebensjahr. Was die westliche Einteilung in Prämenopause, Perimenopause und Menopause als Abfolge von Phasen beschreibt, ist in dieser Lesart ein einziger, fließender Prozess.

Aus dieser Sicht erklären sich auch Beschwerden anders. Lässt das kühlende, nährende Yin nach, kann sich Wärme leichter nach oben bewegen – die TCM spricht von aufsteigender Leere-Hitze und ordnet Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen und innere Unruhe hier ein. In dieser Lesart zeigt sich darin ein System, das sich gerade neu austariert.

Was die chinesische Medizin praktisch beiträgt

Heilpflanzen – und warum es auf die Kombination ankommt

Der auffälligste Unterschied zwischen europäischer und chinesischer Kräuterheilkunde liegt in der Denkweise, weniger in den Pflanzen selbst. Die westliche Ratgeberliteratur sucht oft nach dem einen Mittel: Mönchspfeffer gegen Zyklusbeschwerden, Rotklee gegen Hitzewallungen, Johanniskraut gegen die Stimmung. Oder sie orientiert sich mehr an den Symptomen als an den Dynamiken dahinter. Das ist in der TCM hingegen das Hauptaugenmerk.

Die TCM verschreibt praktisch nie ein einzelnes Kraut. Sie arbeitet mit Rezepturen, die zumindest traditionell nach einem festen Prinzip aufgebaut sind: Jun, Chen, Zuo, Shi – König, Minister, Assistent und Bote. Eine Hauptpflanze gibt die Richtung vor, eine zweite verstärkt sie, weitere gleichen unerwünschte Wirkungen aus oder lenken die Rezeptur dorthin, wo sie wirken soll.

Das ist auch der Grund, warum ich bei Einzelpräparaten so zurückhaltend bin: Beschwerden in den Wechseljahren treten selten einzeln auf. Ein einzelner Wirkpfad deckt sie deshalb selten ab.

Was das konkret bedeutet, siehst Du am deutlichsten an den einzelnen Pflanzen selbst – den gängigen Klassikern haben wir eigene Artikel gewidmet, mit ehrlicher Einordnung statt Werbetext.

Ernährung und Verdauungskraft

Ein Gedanke, der in westlichen Ratgebern fast vollständig fehlt: Die TCM interessiert sich weniger dafür, was zugeführt wird, als dafür, was der Körper daraus tatsächlich gewinnen kann. Diese Umwandlungskraft wird dem Milz-Qi zugeschrieben. Ist sie schwach, nützt auch das hochwertigste Präparat wenig.

Praktisch führt das zu unspektakulären, aber tragfähigen Empfehlungen: warm gekochtes Essen statt Rohkost, regelmäßige Mahlzeiten statt Snacks über den Tag, weniger Kaltes und Rohes, wenn die Verdauung träge ist. Das ist die Grundlage, auf der alles andere überhaupt wirken kann, und sie taugt zu keinem Geheimtipp. Was der Körper nicht aufnehmen und umwandeln kann, kann er auch nicht nutzen, egal ob Superfood oder Mega Smoothie.

Was dieser Weg braucht: Zeit

Eine ehrliche Erwartung gehört dazu. Pflanzliche Begleitung wirkt nicht wie ein Schalter. Sie wirkt langsam, oft über Wochen, und die Veränderung fällt meist erst im Rückblick auf: Der Schlaf war in den letzten vierzehn Tagen anders. Die Nachmittage haben sich nicht mehr so gezogen.

Das ist aus meiner Sicht der Hauptgrund, warum so viele Frauen mit pflanzlichen Mitteln am Ende keine Erfahrung gemacht haben. Nach zehn Tagen geht die Geduld aus, und das nächste Präparat ist an der Reihe. Wer alle drei Wochen wechselt, probiert viel und erfährt wenig.

Gib Dir sechs bis acht Wochen, bevor Du beurteilst, ob etwas zu Dir passt. Und rechne damit, dass Kräuter wenig ausrichten, wenn sonst alles gleich bleibt. Sie greifen dort am besten, wo der Alltag mitzieht: Schlaf, Essen, Bewegung, das Maß an Anspannung, mit dem Du durch die Woche gehst.

Das ist keine Einschränkung, die ich ungern schreibe. Es ist der Unterschied zwischen einem Mittel und einer Begleitung.

Wo Du anfangen kannst

Wenn Du noch nicht weißt, wonach Du suchen sollst, hilft vielleicht diese Reihenfolge:

Verstehen, wo Du stehst: Die Phasen der Wechseljahre – Prämenopause, Perimenopause, Menopause im Überblick.

Den großen Rahmen klären: Pflanzliche Hormone in den Wechseljahren – gibt es einen Testsieger?.

Einzelne Pflanzen einordnen: Mönchspfeffer, Yamswurzel, Rotklee und Soja sowie Frauenmanteltee, Nachtkerzenöl und Johanniskraut.

Den Alltag stabilisieren: Vitamine und Nährstoffe in den Wechseljahren und Schüßler-Salze zwischen Tradition und Wirknachweis.

Und wenn Du merkst, dass es Dir weniger um Kräuter geht als um den Übergang selbst: Die Kraftwanderungen sind ein halber oder ganzer Tag draußen, Rasas Begleitung geht über mehrere Wochen.

Die zweite Blüte

Der Begriff der zweiten Blüte klingt für manche Frauen zunächst nach Schönfärberei, und wenn man nächtelang wach liegt, ist er das auch. Gemeint ist etwas Nüchterneres: Nach dem Übergang liegt ein Lebensabschnitt mit eigenen Qualitäten – häufig mit mehr Klarheit darüber, was zu einem gehört und was nicht.

Der Weg dorthin lässt sich nicht abkürzen. Aber er lässt sich begleiten. Genau das ist unser Anspruch.

Über den Autor

Mourad Bihman

Mourad Bihman

Heilpraktiker seit 2002 und hat Chinesische Medizin in Europa und Asien studiert. Über fünfzehn Jahre eigene Praxis in Berlin, dazu Tätigkeit als Ausbilder und Seminarleiter für Chinesische Medizin. Er lebt mit Rasa Loga in der Lauenburgischen Seenlandschaft und ist Mitinhaber einer Manufaktur für pflanzliche Extrakte und Tinkturen.

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Transparenzhinweis: Ich stelle mit den Mondkräutern selbst zwei Kräuterbitter her, in denen unter anderem Mönchspfeffer und Frauenmantel enthalten sind. Ich schreibe hier also auch über Pflanzen, die in meinen eigenen Rezepturen vorkommen. Ich halte es für richtig, dass Du das weißt, wenn Du meine Einschätzungen liest.

Quellen

  • Deutsche Menopause Gesellschaft: Menopause – Übersicht. menopause-gesellschaft.de/menopause-übersicht
  • Unschuld PU, Tessenow H: Huang Di Nei Jing Su Wen – An Annotated Translation of Huang Di's Inner Classic. University of California Press, Berkeley 2011.
  • Bensky D, Barolet R: Chinese Herbal Medicine – Formulas & Strategies. 2. Auflage, Eastland Press, Seattle 2009.
  • Bensky D, Clavey S, Stöger E: Chinese Herbal Medicine – Materia Medica. 3. Auflage, Eastland Press, Seattle 2004.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende Dich bitte an Deine Ärztin oder Deinen Arzt.

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