Die Phasen der Wechseljahre – Prämenopause, Perimenopause, Menopause im Überblick

Von Mourad Bihman

Wer nach den vier Phasen der Wechseljahre sucht, findet meistens eine Tabelle. Vier Kästchen, vier Altersspannen, vier Symptomlisten. Das liest sich klar und hilft beim Sortieren.

Beim Abgleich mit dem eigenen Leben fängt dann das Rätseln an. Die Blutung kommt mal früher, mal bleibt sie aus. Der Schlaf ist seit einem Jahr anders. In welches Kästchen passt Du jetzt eigentlich? Wahrscheinlich in keines.

Die Begriffe sind trotzdem nützlich, solange klar ist, was sie beschreiben: Zeiträume mit unscharfen Rändern, die ineinander übergehen. Dieser Artikel erklärt sie der Reihe nach und danach, warum die Übergänge im echten Leben fließend verlaufen.

Die 4 Phasen der Wechseljahre im Überblick

Prämenopause – die lange Vorlaufzeit

Die Prämenopause umfasst die Jahre, in denen der Zyklus noch regelmäßig kommt, sich im Hintergrund aber schon etwas verschiebt. Meist beginnt sie Ende dreißig bis Anfang vierzig.

Als Erstes lässt in der Regel das Progesteron nach, während der Östrogenspiegel noch hoch bleibt und stärker schwankt. Spürbar wird das oft an Kleinigkeiten: Der Zyklus verkürzt sich um zwei, drei Tage. Die Tage vor der Blutung sind anstrengender als früher. Der Schlaf ist leichter geworden. Vieles davon lässt sich mühelos mit Arbeit, Kindern oder Alter erklären, weshalb diese Phase meist namenlos bleibt oder wenig bemerkt wird.

Ein Hinweis zum Begriff selbst, weil er für Verwirrung sorgt: „Prämenopause" wird in zwei Bedeutungen verwendet. In der engeren Lesart meint er die Jahre unmittelbar vor der Perimenopause, in der weiteren die gesamte fruchtbare Lebenszeit ab der ersten Blutung. Wenn Du den Begriff irgendwo liest, lohnt ein Blick darauf, welche der beiden Bedeutungen gemeint ist. In diesem Artikel steht er für die engere: die Zeit, in der sich etwas verschiebt, während der Zyklus noch verlässlich kommt.

Perimenopause – die eigentlichen Wechseljahre

Die Perimenopause beginnt, wenn der Zyklus unregelmäßig wird, und endet zwölf Monate nach der letzten Blutung. Ein willkürlich festgelegter Zeitraum also, der sich nur rückwärts festlegen lässt, was die Frage nach seiner Sinnhaftigkeit aufwirft. Bei den meisten Frauen fällt der Start in die Mitte der vierziger Jahre.

Das ist die Zeit, in der die bekannten Beschwerden auftreten: Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Zyklen, die mal zwanzig und mal fünfzig Tage dauern. Beschwerden können bei manchen Frauen einige Jahre vor der letzten Blutung einsetzen und sich insgesamt über bis zu dreizehn Jahre erstrecken. Bei anderen Frauen dauert die Phase zwei Jahre und ist vorbei. Bei wieder anderen ist diese Phase fast gar nicht spürbar.

Menopause – ein einzelner Tag

Die Menopause bezeichnet die letzte Menstruation. Einen Tag, keinen Abschnitt. In Deutschland liegt sie im Durchschnitt bei einundfünfzig bis zweiundfünfzig Jahren.

Der Haken daran steht weiter unten in diesem Artikel und ist der Grund, warum die vier Kästchen im Alltag so schwer anzuwenden sind.

Postmenopause – die Zeit danach

Alles, was auf diese zwölf Monate folgt. Die Hormonlage stabilisiert sich auf einem neuen, niedrigeren Niveau. Bei vielen Frauen lassen die Hitzewallungen nach, bei manchen halten sie noch Jahre an. Diese Phase dauert den Rest des Lebens, und sie ist damit die längste von allen.

In den ersten Jahren danach beruhigt sich vieles. Der Schlaf wird bei den meisten Frauen wieder regelmäßiger, die Stimmung stabiler, die Zyklusfrage entfällt vollständig. In den Vordergrund rücken dafür Themen mit längerem Zeithorizont: Knochendichte, Herz-Kreislauf-Gesundheit, Beckenboden und Schleimhäute. Diese Themen bekommen in Ratgebern über die Wechseljahre wenig Platz, weil sie sich schlecht als Symptomliste erzählen lassen – für die zweite Lebenshälfte sind sie die wichtigeren.

Der Tag X, den niemand bemerkt

Hier liegt die eigentliche Schwierigkeit der Einteilung: Die Menopause lässt sich erst rückblickend bestimmen. Erst wenn zwölf Monate ohne Blutung vergangen sind, steht fest, dass die Blutung davor die letzte war.

Das heißt: Am Tag der Menopause weiß niemand, dass sie gerade stattfindet. Du erfährst es ein Jahr später, und selbst dann nur durch Nachrechnen. Zwischendurch kann eine Blutung nach acht Monaten Pause die Zählung wieder auf null setzen.

Solange Du mittendrin bist, lässt sich also gar nicht sagen, in welchem der vier Kästchen Du gerade stehst. Die Einteilung ist ein Rückblicksinstrument. Sie eignet sich gut, um im Nachhinein zu ordnen, was passiert ist, und schlecht als Landkarte für den Weg, auf dem Du gerade unterwegs bist.

Perimenopause – ab wann eigentlich?

Diese Frage wird oft gestellt, und eine Jahreszahl gibt es dafür nicht. Was es gibt, sind Anzeichen.

Das verlässlichste ist die Zykluslänge. Wenn sich der Abstand zwischen zwei Blutungen wiederholt um sieben Tage oder mehr verschiebt, gilt das in der Forschung als Beginn der frühen Perimenopause. Fallen Zyklen ganz aus – sechzig Tage und mehr ohne Blutung –, spricht man von der späten Perimenopause. Hormonwerte im Blut helfen dabei kaum weiter, weil sie in dieser Zeit von Woche zu Woche stark schwanken.

Praktisch heißt das: Ein Zykluskalender sagt Dir mehr über Deine Phase als jede Blutabnahme. Zwölf Monate notierte Zykluslängen sind die beste Information, die Du in ein ärztliches Gespräch mitbringen kannst.

Die chinesische Zeitrechnung: bei fünfunddreißig geht es los

Die Traditionelle Chinesische Medizin kennt diese vier Phasen nicht. Sie beschreibt etwas anderes, und sie tut es seit über zweitausend Jahren.

Im Huang Di Neijing, dem ältesten überlieferten Text der chinesischen Medizin, verläuft das Leben der Frau in Sieben-Jahres-Schritten. Huang Di ist der Gelbe Kaiser, eine legendäre Herrschergestalt aus der chinesischen Frühzeit. Der Text ist als Gespräch angelegt: Der Kaiser stellt Fragen zur Medizin, sein Ratgeber Qi Bo antwortet.

Aber zurück zu den Sieben-Jahres-Zyklen. Mit zweimal sieben Jahren beginnt die Fruchtbarkeit. Mit viermal sieben, also mit achtundzwanzig, steht der Körper auf seinem Höhepunkt. Mit fünfmal sieben – bei fünfunddreißig – heißt es, der Yang-Ming-Leitbahnbereich beginne zu schwinden: Die Haut im Gesicht verändert sich, das Haar wird dünner. Mit sechsmal sieben zeigen sich die ersten weißen Haare. Mit siebenmal sieben, um neunundvierzig, erschöpft sich das Tian Gui und die Blutung endet.

Auffällig daran ist der Beginn. Der Text setzt die erste beschriebene Veränderung bei fünfunddreißig an – rund fünfzehn Jahre vor dem Zeitpunkt, den die westliche Medizin Menopause nennt.

Dahinter steht die Vorstellung vom Nieren-Jing, jener Substanz, aus der sich Wachstum, Fortpflanzung und Alterung speisen. Sie gilt als endlich und nimmt über das ganze Leben hinweg ab, meist gleichmäßig und ohne Sprünge, wenn keine schweren Erkrankungen dazwischenkommen. In dieser Lesart gibt es überhaupt keine Phasen, die man zählen könnte. Es gibt eine lange Linie, auf der die westlichen Begriffe vier Markierungen setzen.

In meiner Praxiszeit war das die Erklärung, mit der Frauen um die vierzig am meisten anfangen konnten. Viele beschreiben seit Jahren Veränderungen, für die die westliche Einteilung noch keinen Namen bereithält, weil ihr Zyklus ja regelmäßig kommt. Die chinesische Zeitrechnung nimmt diese Wahrnehmung ernst.

Was Du damit anfangen kannst

Drei Dinge sind dabei wichtig.

Erstens: Führe einen Zykluskalender, sobald Dir etwas auffällt. Er beantwortet die Frage nach der Phase besser als jeder Test und kostet nichts.

Zweitens: Warte mit Veränderungen nicht auf eine Einordnung. Was in der Prämenopause guttut, tut auch in der Perimenopause gut – regelmäßiger Schlaf, warme Mahlzeiten, Bewegung, weniger Dauerspannung, weniger Stress. Diese Dinge wirken über alle vier Kästchen hinweg.

Drittens: Erwarte einen Verlauf in Wellen. Es gibt Monate, in denen alles ruhig ist, und Monate, in denen vieles gleichzeitig kommt. Das gehört zu einem System, das sich gerade neu einpendelt.

Zum Schluss

Die vier Begriffe sind Werkzeuge zum Ordnen, von Medizinern entwickelt. Sie helfen im Gespräch mit der Ärztin und beim Lesen. Für den eigenen Alltag zählt eine andere Frage: Was hat sich bei Dir verändert, seit wann, und was tut Dir gerade gut?

Darauf gibt Dir Dein Zykluskalender und ein intensives Lauschen bessere Antworten als jede Tabelle.

Über den Autor

Mourad Bihman

Mourad Bihman

Heilpraktiker seit 2002 und hat Chinesische Medizin in Europa und Asien studiert. Über fünfzehn Jahre eigene Praxis in Berlin, dazu Tätigkeit als Ausbilder und Seminarleiter für Chinesische Medizin. Er lebt mit Rasa Loga in der Lauenburgischen Seenlandschaft und ist Mitinhaber einer Manufaktur für pflanzliche Extrakte und Tinkturen.

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Transparenzhinweis: Ich stelle mit den Mondkräutern selbst zwei Kräuterbitter her, in denen unter anderem Mönchspfeffer und Frauenmantel enthalten sind. Ich schreibe hier also auch über Pflanzen, die in meinen eigenen Rezepturen vorkommen. Ich halte es für richtig, dass Du das weißt, wenn Du meine Einschätzungen liest.

Quellen

  • Deutsche Menopause Gesellschaft: Menopause – Übersicht. menopause-gesellschaft.de/menopause-übersicht
  • Harlow SD et al.: Executive summary of the Stages of Reproductive Aging Workshop +10 (STRAW+10). Menopause 2012;19(4):387–395.
  • Unschuld PU, Tessenow H: Huang Di Nei Jing Su Wen – An Annotated Translation of Huang Di's Inner Classic. University of California Press, Berkeley 2011.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende Dich bitte an Deine Ärztin oder Deinen Arzt.

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